Willkommen bei Herzog Friedrich I. zu Württemberg
Freudenstadt im Februar 2012
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Am Stadthaus
Am Stadthaus mitten auf dem Marktplatz

Die Stadt ob Sankt Christophstal, so wurde Freudenstadt vor der Namensgebung durch Herzog Friedrich I. genannt, ist eine noch junge Stadt, gemessen an den sie umgebenden Gemeinden und Ortschaften. Die Geschichte der Besiedlung dieser Region reicht zurück in eine Zeit als die Klöster Alpirsbach, Kniebis, Reichenbach und Hirsau eine große Rolle spielten. Sie besiedelten diese Gegend und sie erschlossen auf alten Handelswegen, den sogenannten Mönchswegen, die Region im förchtigen Wald. Der Wald spielte hierbei eine zentrale Rolle. Holzreichtum, Erzvorkommen und Wasserkraft lockten einst erste Siedler in unsere waldreiche Region. Holzhauer, Flößer, Glasbläser, Köhler, Harzer, Pechsieder und Schmierebrenner nutzten das Holz der riesigen Wälder. Bergleute, Erzschmelzer und Hammerschmiede verwerteten die Erzvorkommen am Forbach.

Es ist also höchst spannend, beim Wandern die Geschichte und Landschaft zu erkunden und von alten, längst vergessenen Berufen und Techniken zu erfahren.

Marktplatz Freudenstadt
Der Marktplatz

Freudenstadt wurde auf dem Reißbrett entworfen und gehört damit zu den ersten Planstädten der Renaissance nördlich der Alpen. Planer und Erbauer war Heinrich Schickhardt aus Herrenberg, der nach Vorgaben seines Dienstherrn Herzog Friedrich I. die Stadt ob St. Christophstal im Jahre 1599 erbauen ließ. Eine Residenzstadt, eine "Freydenstadt" des Herzogs sollte sie werden und heimliche Hauptstadt Württembergs. So platzte denn die Stadt auch kurz nach ihrer Gründung fast schon aus allen Nähten, weil Neubürger aus dem innerösterreichischen hier Zuflucht und ihre "Freudenstadt" fanden. Herzog Friedrich I. nahm die wegen ihres protestantischen Glaubens Vertriebenen auf. Freudenstadt zählte 1601, also zwei Jahre nach Stadtgründung, bereits 3000 Einwohner.

Das typische Stadtbild: die Arkaden um den Marktplatz
Die "Bögele" wie die Freudenstädter sie liebevoll nennen - die Arkaden

Der Tod ihres Stadtgründers im Jahre 1608 brachte für Freudenstadt erhebliche Veränderungen mit sich. Aus der einstmals privelegierten Stadt, die dem Herzog direkt unterstanden hatte, wurde jetzt eine ganz gewöhnliche württembergische Stadt mit all ihren steuerlichen Pflichten. Die Pläne zum Bau des großen Residenzschloßes wurden vom Nachfolger des Stadtgründers aus Desinteresse und auch sicherlich auf finanziellen Erwägungen nun endgültig verworfen. Politisch folgten sehr unruhige Zeiten. Der Dreißigjährige Krieg brachte große Verwüstungen über die Stadt. Die Bevölkerung in Württemberg wurde um zwei Drittel dezimiert. Hinzu kamen die Pestwellen 1610/1611 sowie eine weitere im Jahr 1635. Ein Stadtbrand im Jahre 1632, bei dem 140 Häuser vernichtet wurden, tat sein übriges dazu. Im Jahre 1676 lebten noch 1057 Einwohner in Freudenstadt. Hundert Jahre später verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf über 2000 Einwohner. Zum Vergleich: heute leben etwa 2700 Einwohner in Freudenstadt.

Freudenstadt im Winter - der Untere Marktplatz
Freudenstadt im Winter - der Untere Marktplatz mit Blick auf die evangelische Stadtkirche

Ende des 19. Jahrhunderts geschah für Freudenstadt etwas sehr Entscheidendes. Ein gewisser Justizassessor Alfred Hartranft aus Herrenberg trat die Stelle des Stadtschultheißen, also des Bürgermeisters, im Jahre 1877 an. In den Jahren seiner Amtszeit, immerhin 42 Jahre, machte er aus dem verschlafenen Schwarzwaldstädtchen einen Kurort mit Weltrang. Sommer- und Winterfrischler, so wurden die Touristen damals genannt, strömten nicht zuletzt wegen der guten Verkehrsanbindung, die Gäubahn von Stuttgart in die Kurstadt. Grandhotels schoßen aus dem Boden, illustre Gäste aus aller Welt kamen der guten Schwarzwaldluft wegen ins Saint Tropez des Schwarzwalds. Und auch die für ihre Reserviertheit gegenüber Fremden bekannten Freudenstädter erkannten nach und nach den Segen der Kur: sie wurden weltoffene Bürger. Mit einer gewissen Interessiertheit ausgestattet zwar, was nichts anderes bedeutet als auf den kleinen eigenen Vorteil bedacht. Aber, was solls. Kurhaus mit Kurtheater wurden erbaut, ein eigens gegründeter Verschönerungsverein sorgte dafür, daß das Städtle herausgeputzt war und so staunte der Heimatdichter Hans Jakob nicht schlecht, als er einmal wieder durch Freudenstadt kam: "Überall neue Straßen, neue Landhäuser, neue Pensionen, neue Restaurants und prächtige Läden. Alles verrät den Sommer- und Winterkurort ersten Ranges."

Die zerstörte Stadtkirche am Ende des Zweiten Weltkrieges
Die zerstörte Stadtkirche am Ende des Zweiten Weltkrieges

Freudenstadt war bereits Jahrhunderte zuvor Opfer marodierender Truppen gewesen. Seien es die Franzosen auf dem Rückzug oder schwedische Truppen auf dem Durchmarsch ins Rheintal. Die strategisch günstige Lage der Stadt inmitten des Herzogtums wurde hier zum großen Nachteil. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren es anrückende allierte Truppen, die die Stadt einnahmen und dabei fast vollständig den Innenstadtbereich zerstörten. Die Jahre der französischen Besatzung waren eine harte Prüfung für die Bürger und Bürgerinnen der Stadt. Aber auch hier zeigte sich, daß die Freudenstädter ein ganz besonderer Schlag Schwaben waren und sind. Denn auch die Badischen sagen ja schließlich: "An Freudestädter isch mir immer no lieber als an Schwob". Der Wiederaufbau, den wir heute als "Wunder von Freudenstadt" bezeichnen, ließ das alte Stadtbild mit dem größten Marktplatz Deutschlands wieder erstehen. Die Gäste, sie kamen wieder aus nah und fern in den Schwarzwald. Aus den Luftschnabbern von damals waren nun die Touristen geworden. Die Verweildauer der Touristen schrumpfte von mal zu mal und heute sind die Freudenstädter ja froh, wenn zum Beispiel auch mal Sie ins Städtle schauen...


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